Main-Kinzig-Kreis beteiligt sich an Aktionstag in Gelnhausen

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Ein Zeichen setzen gegen Gewalt an Frauen: Schirmherrin und Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (Sechste von links) beim Entrollen der Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ vor dem Kino „Pali“ in Gelnhausen.

27.11.2019. - Ein Mann erschießt auf offener Straße eine junge Frau. Die Frau ist seine Schwester. Der Kinofilm „Nur eine Frau“ erzählt die wahre Geschichte der Deutsch-Türkin Hatun Aynur Sürücü, die vor 14 Jahren von ihrem Bruder in Berlin ermordet wurde, nachdem sie sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hatte und ein selbstbestimmtes Leben mit ihrem kleinen Sohn führen wollte. Die Ermordung der Schwester sollte die „Familienehre“ wiederherstellen. Der eindrucksvolle und wegen seiner Brutalität zum Teil nur schwer zu ertragende Film wurde anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen rund 300 Schülerinnen und Schülern aus neun Schulen des Main-Kinzig-Kreises und der Stadt Hanau sowie eine Gruppe der Altenpflegeschule, des Behindertenwerks und einer Frauengruppe des Integrationsbüros im Kino „Pali“ in Gelnhausen gezeigt. Der Aktionstag findet seit zwölf Jahren statt und wird gemeinsam vom Main-Kinzig-Kreis, der Stadt Gelnhausen und dem Verein „Frauen helfen Frauen“ organisiert. Kinobetreiber Stephan Schneevogl stellt hierfür jedes Jahr unentgeltlich seinen Kinosaal zur Verfügung. Die Sitzreihen waren voll besetzt mit jungen Menschen. Sie alle waren gekommen, um sich mit dem schwierigen und doch so wichtigen Thema zu befassen: Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die unabhängig von Bildung, sozialen Schichten, Religion weltweit stattfindet. Im Anschluss bestand Gelegenheit, sich bei einer Diskussionsrunde auszutauschen.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, die auch Schirmherrin des Aktionstages in Gelnhausen ist, freute sich über die große Resonanz und sprach von einer Rekordbeteiligung in diesem Jahr. „Gewalt gegen Frauen bleibt ein wichtiges Thema in Deutschland“, sagte Susanne Simmler zu den überwiegend jungen Männern und Frauen im Publikum. Jeden Tag versucht laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes ein Mann, seine Partnerin zu töten; an jedem dritten Tag gelingt es. 2018 wurden 140.000 Fälle partnerschaftlicher Gewalt registriert. „Wir sind heute hier, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, darüber zu sprechen und Sie zu motivieren, hinzuschauen und zu helfen“, sagte die Erste Kreisbeigeordnete. „Gewalt an Frauen und Mädchen ist immer noch ein Tabuthema, viele schauen weg“, sagte Bürgermeister und ebenfalls Schirmherr, Daniel Glöckner. „Geht auf die betroffene Person zu, sprecht mit ihr, bietet ihr Hilfe an“, appellierte der Rathauschef. Welche Hilfsangebote es gibt, darüber informierte ein Infostand im Kinofoyer, der mit bunten Flyern und Buttons bestückt war.

Um ein weithin sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen, entrollten Susanne Simmler, Daniel Glöckner und die Vertreterinnen der Frauenhäuser aus Wächtersbach und Hanau, des Jugendamtes und des Integrationsbüros des Kreises, der Polizei, Dr. Sandra Gentsch vom Staatlichen Schulamt und die Gleichstellungsbeauftragten von der Terrasse des Kinos aus eine Fahne mit dem Schriftzug: „Frei leben ohne Gewalt“. Das ist ein wichtiges Anliegen – auch und gerade für junge Menschen. Denn auch sie erleben möglicherweise tagtäglich Gewalt an Frauen - in den Familien, im Freundes- oder Bekanntenkreis oder wenn sie unterwegs sind. Die eindringliche Botschaft lautete: Jeder Mensch kann für sich oder andere Hilfe holen und damit vielleicht Leben retten. Seit 1981 organisieren jedes Jahr zum 25. November Menschenrechtsorganisationen wie „Terre des Femmes“ Veranstaltungen, um auf die Diskriminierung und Gewalt in jeglicher Form gegenüber Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen.

Als Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner standen dem Publikum im Anschluss an den Film zur Verfügung: Franz Efinger, Kriminalhauptkommissar von der Kriminalpolizei Gelnhausen, Brigitte Machnitzke vom Frauenhaus Wächtersbach, Ursula Wyrzykowska vom Frauenhaus Hanau, Heike Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Gelnhausen, Ute Pfaff-Hamann, Gleichstellungsbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises, Stephanie Buchhold, Büro für Interkulturelle Angelegenheiten des Main-Kinzig-Kreises und Aylin Hoose vom Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises. In der lebhaften Diskussion zeigte sich die Wirkung des Filmes sehr eindringlich - und auch, dass es notwendig ist, jedwede Gewalt an Frauen und Mädchen zu ächten und das Leben und die Freiheit eines jeden einzelnen Menschen zu achten und zu schützen.