Kulturpreis 2019: Verdienter Applaus für die fünf Preisträger

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Fünf Preisträger-Trophäen wurden in diesem Jahr überreicht.

14.11.2019. - Es war ein glanzvoller Abend: Die Kulturpreisverleihung 2019. Im Mittelpunkt standen Kulturschaffende, die für herausragende kulturelle und künstlerische Leistungen gewürdigt wurden. Der Main-Kinzig-Kreis vergab den Kulturpreis bereits zum 43. Mal. „Das Haus ist voll und das ist gut so“, sagte Landrat Thorsten Stolz angesichts des voll besetzten Barbarossasaals im Main-Kinzig-Forum. Gekommen waren zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft.

Ausgezeichnet wurden die Kostümdesignerin Ulla Röhrs (Hanau), der Maler Karl-Adam Vey (Schlüchtern) und der Künstler Franz Aumüller (Wächtersbach). Der Nachwuchsförderpreis ging an die Fotografin und Malerin Joselyn Grimm (Hasselroth). Den Sonderpreis erhielt der Förderverein „Freunde der Opernakademie Bad Orb“. Die Preisgelder betragen insgesamt 18.000 Euro. Die Sparkassen beziehungsweise deren Kulturstiftungen stellen 15.000 Euro zur Verfügung. Für den Sonderpreis gibt der Main-Kinzig-Kreis 3000 Euro hinzu.

Im Main-Kinzig-Kreis gebe es rund 40.000 aktive Kulturschaffende, die sich einzeln oder in Vereinen für das kulturelle Leben in unserer Gesellschaft verdient machen, sagte Thorsten Stolz. „Ihr Beitrag für die Gesellschaft, für das Miteinander, für Bildung, für die Attraktivität unserer Heimat und vieles mehr ist unschätzbar“, sagte der Landrat. Er dankte den Mitgliedern der Kulturpreisjury für die intensive Beratung und ihr wohlüberlegtes Votum. Das sei angesichts von 31 Vorschlägen nicht einfach gewesen.

In kurzen, einprägsamen Videoclips wurden die Preisträger vorgestellt. Eingesprochen wurden die Texte von den beiden Organisatoren des Abends: Matthias Schmitt, Leiter des Amtes für Kultur, Sport Ehrenamt und Regionalgeschichte, und der Kulturbeauftragten Andrea Sandow. An Applaus für die strahlenden Gewinner wurde nicht gespart, das Publikum zeigte sich angesichts der Vielfalt der präsentierten Arbeiten begeistert. Die hohe Wertschätzung für die Kulturschaffenden war auch den einfühlsamen Worten der Laudatoren anzumerken.

Professor Dr. Heinz Schilling stellte das künstlerische Schaffen von Ulla Röhrs vor. Sie ist seit 33 Jahren verantwortliche Kostümdesignerin und Leiterin der Kostümwerkstatt der Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau. Sie hat mehr als 100 Märchen in Samt, Seide, Leinen, Leder und andere Stoffe umgesetzt, bis zu 60 Kostüme pro Inszenierung. Ihre Kostüme sind ein bedeutendes Markenzeichen der Festspiele und somit zählt sie mit ihrem Team zum heimlichen Star hinter den Kulissen. Die in Büdingen lebende Designerin wurde 1953 in Bremen geboren und studierte an der Hochschule für Visuelle Kommunikation in Hamburg. 2016 erhielt sie den Musicaltheaterpreis für die Produktion „Rapunzel“ in der Kategorie „Bestes Kostüm- und Maskenbild“. Schilling bezeichnete Ulla Röhrs als „ruhenden Pol inmitten der Geschäftigkeit eines sehr vitalen, weithin gerühmten Theaterbetriebs“. Schon früh habe sie die Freude an Form und Farbe für sich entdeckt. Immer sei es darum gegangen, „Theater für die ganze Familie zu machen“, sagte Schilling.

Der Schlüchterner Karl-Adam Vey wurde von Inge Vey und Michael Neigert vorgestellt. Schon als kleiner Junge habe er sich der Malerei verschrieben. Seitdem arbeitet er mit Öl, Aquarell, Acryl, Tusche oder Bleistift, sein oftmals strenger Lehrmeister war Hans Walter Siemon. So vielfältig wie seine unterschiedlichen Maltechniken sind auch seine Motive. Die Liebe zu seiner Heimat und zur Natur spiegeln sich in seinen Werken wider. Hier zitierte Inge Vey die Worte Pablo Picassos, der einmal gesagt habe: „Nicht nach der Natur arbeite ich, sondern vor der Natur, mit ihr.“ Damit sei der Künstler Karl-Adam Vey treffend beschrieben. Er ist Initiator und Mitorganisator der Veranstaltungen zur Elmer Kulturwoche, eine Reihe, die seit 15 Jahren in regelmäßigen Abständen stattfindet und überregionale Beachtung findet. 2016 wurde Karl-Adam Vey mit dem Stadtsiegel der Stadt Schlüchtern für seine besonderen Verdienste und sein Engagement für die Kultur ausgezeichnet. Ausstellungen hatte er in der Kreissparkasse Schlüchtern, Volksbank Schlüchtern und in der Synagoge in Schlüchtern, in der Galerie Kultpur sowie in Kleinsassen, auf der Insel Borkum, in Eschwege, Frankfurt am Main und in Nürnberg. Seine Arbeiten wurden außerdem beim Jubiläum der Französischen Eisenbahn in Paris und bei der Bundeskunstausstellung des Bundesbahnsozialwerkes in Berlin gezeigt. In diesem Jahr wurde ein Bild von ihm für die Europaausstellung in Gent ausgewählt.

Horst Wanik, Mitglied der Kulturpreisjury und Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Gelnhausen, zeichnete den Wächtersbacher Franz Aumüller aus. Er sei ein Künstler, musikalischer Visionär und Allrounder. Aumüller wurde 1950 geboren. Seine Interessen sind vielseitig: Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Labelbetreiber. Er ist Instrumentenbauer, Designer, Maler, Illustrator, Bildhauer, Video- und Installationskünstler sowie Filmemacher und Geschichtenerzähler. Nach dem Abitur studierte er Kunstgeschichte in Frankfurt und Visuelle Kommunikation in Kassel. 1984 war er Mitbegründer von „Trust Corporate Culture“, einer der Top-Werbeagenturen in den 1990er Jahren. „Als kreativer Kopf konnte er in dieser Zeit viele seiner Ideen verwirklichen. Doch Werbung allein war nie genug für Aumüller, der vor allem nach künstlerischen Ausdrucksformen suchte, die seine Leidenschaft für elektronische Musik und Techno mit der Visualisierung von Musik verband“, sagte Wanik. Passendes Format sei das Video gewesen, „das die Musikszene rasant eroberte“, erläuterte Wanik. Den Trickfilmpionier Oskar Fischinger aus Gelnhausen rückte er mit seinem Projekt der Neuvertonung der Filme ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Ebenso war er an der Entwicklung des Liquid-Sound-Konzeptes der Toskana-Therme in Bad Orb beteiligt. Franz Aumüller ist Mitbegründer des Visual Music Awards, einem Kreativ-Wettbewerb für Visualisierung von Musik und Ton, der bereits seit mehr als zehn Jahren stattfindet und inzwischen internationale Bedeutung erlangte.

Wie Laudatorin Uta Böckel dem Publikum erläuterte, hatte die 25-jährige Joselyn Grimm ihre erste Ausstellung mit 14 Jahren, es folgten 12 weitere. „Sie entwickelte ein umfassendes Interesse an der Ästhetik und allen technischen Vorgängen rund um die Fotografie“, sagte Böckel. Bei den ersten Ausstellungen handelte es sich ausschließlich um Fotografien, darunter mehrere im Bürgerportal des Main-Kinzig-Forums, in den Räumen der Bildungspartner in Gelnhausen, im Hasselrother Rathaus und darüber hinaus in Nidderau, Hanau und Offenbach. Joselyn Grimm fotografiert jedoch nicht nur, sondern hat auch die Liebe zum Zeichnen und Malen entdeckt, da sie damit auch das abbilden könne, was nicht real greifbar da ist, sondern lediglich in der Vorstellungskraft existiert. Joselyn Grimm absolvierte eine Ausbildung zur Mediengestalterin und studiert im Hauptfach Geschichte und Kunstwissenschaften im Nebenfach in Kassel. In ihrer Freizeit musiziert sie und engagiert sich im Heimat- und Geschichtsverein. „Trotz ihres jungen Alters hat Joselyn Grimm bereits eine beachtliche Stufe in ihrer künstlerischen Entwicklung erreicht“, sagte Böckel.

Eine besondere Freude war es für Landrat Stolz, den Sonderpreis der Jury an die „Freunde der Opernakademie Bad Orb“ zu vergeben. Stellvertretend für die 400 Mitglieder des Vereins nahm das Vorstandsteam Professor Dr. Karin Metzler-Müller, Hans-Georg Göbbels, Traudel Schubert, Manfred Woll und Heike Schneeweis sowie Kuratoriumsvorsitzender Gerhard Heim den Preis entgegen. Die Opernakademie besteht seit 1987 und leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsförderung an den Opernhäusern. Denn junge Nachwuchssängerinnen und –sänger nehmen unter idealen Bedingungen während einer Arbeitsphase von fünf Wochen an drei öffentlichen Aufführungen mit Orchester teil. „Jedes Jahr wird unter der Leitung professioneller Opernfachleute eine Oper von höchster Qualität präsentiert“, betonte Landrat Stolz. Die 33. Inszenierung im August 2019 mit „Figaros Hochzeit“ sei ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. Aufgrund der hohen Qualität der Darbietungen und der hervorragenden Spielfreude der Akteure sind die Aufführungen auch weit über die Grenzen der Kurstadt hinaus geschätzt“, stellte Thorsten Stolz fest. Um den Weiterbestand der Opernakademie zu sichern, wurde 2001 der Verein „Freunde der Opernakademie“ gegründet. Der Förderverein ist Veranstalter der jährlichen Produktionen, die von diesem Verein auch finanziert werden. Dazu gehört auch die Suche nach kostenfreien Unterkünften für die Solisten. Zudem müssen die 45 Orchestermusiker zehn Tage lang kostenfrei untergebracht werden und das Marketing muss organisiert werden. „Opern bieten einen Streifzug durch die gesellschaftliche und politische Geschichte, denn sie sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit, in der sie geschrieben wurden“, sagte der Landrat. Im Anschluss an den offiziellen Teil bestand Gelegenheit zum geselligen Austausch.

Musikalische Glanzlichter setzten Carla Antonia Trescher (Sopran), Peter Fabig (Bassbariton) und Gio Abuladze (Klavier). Sie intonierten zur Freude der Zuhörer zwei Duette aus „Figaros Hochzeit“ und „Die Lustige Witwe“. Einen beeindruckenden Anblick boten die fantasievoll kostümierten Akteure der Brüder-Grimm-Festspiele, mit Liebe fürs Detail von Ulla Röhrs eingekleidet.