Kreis unterstützt weiter Interdisziplinäre Frühförderstelle

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Landrat Thorsten Stolz (Mitte) gratulierte der vom Main-Kinzig-Kreis unterstützten Interdisziplinären Frühförderstelle in Bad Orb zum zehnjährigen Bestehen. Bürgermeister Roland Weiß (links) mit Leiterin Sandra Hosse (Dritte von links) und einem Teil des Praxisteams.

14.11.2019. - Die Interdisziplinäre Frühförderstelle (IFF) in Bad Orb feiert ihr zehnjähriges Bestehen. In der bunt und fröhlich gestalteten Einrichtung betreut und fördert ein Expertenteam mit Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises diejenigen Kinder, die eine individuelle Hilfestelle für die Entwicklung brauchen. „Es kommen Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und -störungen sowie aus anderen Bereichen zu uns“, erläuterte die Leiterin Sandra Hosse ihrem Besucher Landrat Thorsten Stolz. Zusammen mit dem Orber Bürgermeister Roland Weiß stattete Thorsten Stolz der Einrichtung in der Würzburger Straße 7-11 anlässlich des Jubiläums einen Besuch ab.

„Für die Entwicklung eines Kindes sind die ersten Lebensjahre von grundlegender Bedeutung“, erklärte die stellvertretende Leiterin Franka Biehn beim Gang durch die Räumlichkeiten. Diese sind mit weichen Teppichen, Puppenhäusern und Kaufläden ausgestattet. Die Kinder sollen sich hier wohlfühlen und zur Interaktion angeregt werden. Das gelingt auch bei den Erwachsenen, die schnell zu kleinen Bällen oder Stofftieren greifen.

Der Main-Kinzig-Kreis übernimmt die Kosten für die Frühförderung der Vorschulkinder im Bereich Bad Orb. „Damit bieten wir den Eltern eine wohnortnahe Anlaufstelle, die gut zu erreichen ist“, erklärte Landrat Stolz. Die Ratsuchenden kommen zum Teil auch aus Birstein, Jossgrund und Bad Soden-Salmünster. Die Einrichtung in Bad Orb leistet einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Kindern mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Dabei arbeitet die Frühförderstelle fachlich und räumlich eng mit Sprachtherapeuten, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Krankengymnasten zusammen, die Praxisräume liegen nebeneinander. „Das ermöglicht einen gemeinsamen Blickwinkel auf die Kinder“, fasst Landrat Stolz seine Eindrücke zusammen. Der interdisziplinäre Ansatz ermöglicht eine individuelle Kombination verschiedener Ansätze: heil- und sonderpädagogisch, psychologisch sowie medizinisch-therapeutisch.

Das Erstgespräch zwischen Eltern und Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle ist kostenlos. Im Mittelpunkt steht zunächst der von Fachleuten über viele Jahre hinweg erarbeitete, umfangreiche Entwicklungstest „ET 6-6 R“. Häufig sei es so, dass ein erster Hinweis auf Probleme im Entwicklungsstand aus der Kindertagesstätte gegeben werde, sagte Hosse. Die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten können zur Orientierung ein sogenanntes „Grenzsteinprinzip“ heranziehen, eine Tabelle, die wichtige Entwicklungsschritte festhält: Was muss ein Kind tatsächlich in einem bestimmten Alter können und was sollte es können? Diese Tabelle sei eine Art „Frühwarnsystem“. Den Förderplan mit zunächst 40 Fördereinheiten für ein Jahr verordnet dann ein Kinderarzt. Der Förderplan wird von der Frühförderstelle individuell an die Bedürfnisse der Kinder angepasst.

In dem Gespräch wurde deutlich, wie wichtig das Angebot für Eltern und ihre Kinder ist. Thorsten Stolz begutachtete die Testmaterialien, die auf den ersten Blick wie Kinderspielzeug wirken, etwa kleine Puzzleteile oder Plastikfläschen mit kleinen Teilen darin. Bei diesen geht es zum Beispiel darum, ob ein dreijähriges Kind in der Lage ist, die kleinen eckigen Formen von einem Behälter in den anderen zu befördern, ohne dass etwas daneben fällt. Dass dies mit ein bisschen Geschick problemlos möglich ist, testete der Landrat, der selbst zwei kleine Kinder hat, gleich selbst. Das Team in Bad Orb besteht aus den beiden Sozialpädagoginnen Sophie Rinaldi und Franka Biehn, Diplom-Sozialpädagogin Annette Marek, Diplom-Pädagogin und Diplom-Sprachheilpädagogin Almut Ciernia und den beiden Logopäden Martin Jackel und Caroline Eberl.

Etwa die Hälfte der geförderten Kinder leben in Flüchtlingsfamilien. „Die Kinder sind häufig durch ihre Erlebnisse von Gewalt und Flucht traumatisiert“, erläuterte Hosse. Gleichwohl seien sie in einem Alter, in dem sie sehr schnell lernen – auch in sprachlicher Hinsicht. Manche Probleme der Kinder, die nach Bad Orb kommen, bessern sich durch die Behandlung schneller, andere benötigen mehr Zeit. „Das Schöne an Ihrer Arbeit ist, dass Sie die Erfolge sehen“, sagte Thorsten Stolz zu den Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle. Denn den Kindern wird wichtige Hilfestellung gewährt, die ihnen später bei der Bewältigung des Schulalltags helfen wird.