Fakten und Hintergründe

Die Corona-Pandemie wirft viele Fragen auf. Diese Rubrik bereitet Informationen rund um die neue Lungenkrankheit auf und bildet den momentanen Stand des Wissens ab. Wer es noch genauer wissen will, findet Links zu weiterführenden Seiten und Materialien.

Die tagesaktuellen Zahlen der dem Gesundheitsamt bekannten Infizierten im Main-Kinzig-Kreis finden Sie in der neuesten Pressemitteilung, die abends auf der Startseite www.mkk.de veröffentlicht wird.

Coronavirus-Tests und Fallzahlen

Über die sozialen Medien verbreiten sich derzeit allerlei Gerüchte und Spekulationen. Hintergrund ist dabei oftmals, dass einer Person der Test verweigert wurde oder nach allgemeiner Einschätzung zu wenig getestet werde. Auch die unterschiedlichen Zählungen und Zeitpunkte der Veröffentlichung auf Bundes-, Landes- und Kreisebene sind häufig nicht leicht verständlich.

Als untere Gesundheitsbehörde gibt einzig der Kreis die Zahlen für alle hiesigen Städte und Gemeinden bekannt. Der Main-Kinzig-Kreis führt die Testungen auf das Coronavirus nicht durch, das macht die Kassenärztliche Vereinigung.

Dem Gesundheitsamt sind, Stand 27. März, 13 Uhr, 114 Fälle von Coronavirus-Infektionen aus dem Main-Kinzig-Kreis gemeldet worden. Das umschließt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht alle Erkrankungsfälle. In manchen Fällen können die Symptome derart milde in Erscheinung treten, dass der Betroffene von einer normalen Erkältung ausgeht und einfach so zu Hause bleibt. In anderen Fällen, die sich in häuslicher Isolierung befinden, beispielsweise Rückkehrer aus Risikogebieten, können Erkrankungssymptome während der Isolationszeit auftreten. Wenn es bei bloß leichten Symptomen bleibt, ändert sich für den Betroffenen nichts, ganz gleich ob es sich um eine Erkältung, Grippe oder etwas anderes handelt: Er muss – aufgrund der Regelungen von Bund und Land – ohnehin in der häuslichen Isolierung verbleiben, die sozialen Kontakte drastisch herunterfahren und sich vollständig auskurieren. Ein Test ist dann tatsächlich epidemiologisch nicht notwendig, die selbstständige, konsequente häusliche Isolierung genügt für die betroffene Person und es wird von einer Erkrankung ausgegangen. Allerdings folgt aus diesem – von Fachinstituten auch empfohlenen – Vorgehen, dass die Kontaktpersonen von möglicherweise unentdeckten Covid-19-Fällen nicht ermittelt und isoliert werden.

Die vom Main-Kinzig Kreis herausgegebenen Zahlen basieren auf den von den Testlaboren an das Gesundheitsamt gemeldeten positiven Testergebnissen. Diese werden einmal täglich veröffentlicht. Damit ist sie bei hoher Testfrequenz insofern belastbar, dass sie über einen Zeitraum von mehreren Tagen einen deutlichen Trend abbilden kann. Sie bildet aber sicher nie zu hundert Prozent alle Covid-19-Fälle in einer Region ab. Je höher die Zahl der Tests und der Testfrequenz, desto klarer lassen sich diese Trends ablesen. Der Main-Kinzig-Kreis fordert daher: Es muss in größeren Radien getestet werden. Doch die Entscheidung liegt letztlich nicht in der Hand des Kreises, sondern bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Hinter der Kreis-Forderung nach insgesamt mehr Testungen steht die Befürchtung, dass sich das Coronavirus unkontrolliert verbreiten könnte, wenn zu wenige tatsächlich Erkrankte erfasst werden.

Nein. Von der Verfügbarkeit des Testmaterials und der Laborkapazitäten einmal abgesehen macht es fachlich wenig Sinn. Wer sich möglicherweise infiziert, aber noch keine bemerkbaren Symptome entwickelt hat, bei dem sind die Testergebnisse höchst unsicher. Damit würde es dann vielleicht gerade aufgrund eines negativen Testergebnisses weitere Infizierungen geben.

Das lässt sich nicht genau sagen. Im Vergleich zu anderen Staaten schätzt das Robert-Koch-Institut die sogenannte Dunkelziffer für Deutschland als deutlich geringer ein. Das hänge mit den frühzeitigen Testungen und der vergleichsweise hohen Zahl an Coronatests zusammen. Klar ist aber: Nicht jeder Infizierte entwickelt Symptome und hat sich entsprechend freiwillig selbst häuslich isoliert. Die seit Kurzem in Kraft getretenen Verordnungen und Allgemeinverfügungen von Bundesregierung, Landesregierung sowie des Main-Kinzig-Kreises, zuletzt die bundeseinheitliche Kontaktbeschränkung für den öffentlichen Raum, haben aber praktisch genau das zum Ziel: viele jener zu erreichen und an sozialen Kontakten zu hindern, die das Virus in sich tragen und weitergeben könnten, selbst aber kaum Erkältungssymptome zeigen. Einige Indikatoren sprechen derzeit noch gegen eine flächendeckende Ausbreitung in der Region. Zum einen befanden sich bis Freitagmittag (27.3.) acht Covid-19-Erkrankte aus dem Kreisgebiet in stationärer Behandlung, bei denen die Infektionsketten gut nachvollzogen werden können. Würde sich das Virus flächendeckend ausbreiten, wäre die Situation eine andere und das Herleiten der Ansteckung schwieriger. Zum anderen gehen über die Proben der Arbeitsgemeinschaft Influenza so gut wie keine Coronavirus-Zufallsfunde ein. Über sogenannte Sentinelproben ergibt sich ein wöchentliches Lagebild der Grippe-Saison in Deutschland, also der Entwicklung akuter respiratorischer Erkrankungen. Aus der jüngsten Charge von rund 200 Proben aus dem Bundesgebiet wurden bloß drei positive Befunde auf das Coronavirus gemeldet, in der Woche zuvor sogar nur einer.

Jede Patientin und jeder Patient, wo es eben medizinisch und epidemiologisch notwendig ist, wird getestet, derzeit vor allem im Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung. Das bedeutet gleichzeitig, dass nicht jeder, der sich „grippig“ fühlt, auch einen Test vermittelt bekommt; es wird priorisiert. Die Entscheidungen treffen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises beziehungsweise der behandelnde Arzt, wobei das Robert-Koch-Institut die leitenden Kriterien in den vergangenen Tagen lagebedingt immer wieder angepasst hat. Zuständig für die Durchführung der Testungen sind die Vertragsärzte der KV Hessen. Die Kreisspitze des Main-Kinzig-Kreises fordert von der Kassenärztlichen Vereinigung eine Ausweitung dieser Tests. Hintergrund ist, dass natürlich bei einer begrenzten Zahl täglicher Tests die Risikogruppen – Ältere, chronisch Kranke – und medizinisches Personal Vorrang haben vor den Jüngeren ohne schwere Symptomatik. Letztere würden dann aber in immer größerer Zahl gar nicht erfasst, so die Befürchtung des Main-Kinzig-Kreises.

Das kommt stark auf das Verhalten des Einzelnen an, ist jedenfalls nicht gänzlich unproblematisch, was aber im Übrigen für jede ansteckende Krankheit gilt. Wenn eine Person aus dem Skiurlaub in den Main-Kinzig-Kreis zurückkehrt, sich unverzüglich in die häusliche Isolation begibt und dann Erkältungssymptome entwickelt, ist das Wichtigste, dass sich diese Person von anderen fernhält, und zwar strikt für die vollen 14 Tage. Angesichts der meist milden Krankheitsverläufe bei Covid-19 ist es dann für den Einzelnen nicht wesentlich zu wissen, ob er nun genau das hatte oder doch eher Grippe oder einen anderen Infekt. Und nicht jedes Krankheitsgefühl ist gleich Covid-19. Entscheidend ist die eigenverantwortliche, konsequente, dauerhafte Beschränkung in den sozialen Kontakten, im Zweifel also: daheim bleiben. Mehr Testkapazitäten werden aus Sicht des Kreises dennoch benötigt, um hier tatsächliche Covid-19-Erkrankte zu erkennen und die Weiterverbreitung über das Kontaktumfeld zu unterbinden. Vor allem für Personal aus Pflege, Praxen oder Kliniken, das unmittelbar am Patienten arbeitet und nur milde Symptome im Bereich der Atemwege hat, ist eine schnelle Testung äußerst wichtig. Im Main-Kinzig-Kreis ist Letzteres derzeit uneingeschränkt sichergestellt.

Der Main-Kinzig-Kreis gibt bekannt, wenn und wie viele Menschen aus der häuslichen Isolierung entlassen wurden. Das war schon beim ersten Fall aus Hanau so, der am 3. März gemeldet wurde. Zunächst erfolgt aber über das Gesundheitsamt in jedem Fall eine fachliche Einschätzung des gesundheitlichen Zustands. Sind die Erkältungssymptome noch nicht gänzlich auskuriert, wird die häusliche Isolierung verlängert. Insofern kann die gemeldete Zahl der Coronavirus-Fälle von 14 Tagen zuvor von der tagesaktuellen Zahl jener Fälle abweichen, die offiziell wieder in den normalen Alltag entlassen werden.

Wie gefährlich ist das Virus?

Das Virus Sars-CoV-2 ruft die Lungenkrankheit Covid-19 (Abkürzung für: Corona virus disease 2019) hervor. Es ist neu für das menschliche Immunsystem, deshalb werden sich viele Menschen damit anstecken. Experten gehen über einen längeren Zeitraum von bis zu 70 Prozent der Bevölkerung aus. Wie gefährlich das Coronavirus ist, darüber streiten sich die Wissenschaftler. Die Infektion verläuft in den meisten Fällen mild, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Für die meisten Menschen ist sie nicht lebensbedrohlich. Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen haben allerdings ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe (siehe: „Wer ist besonders gefährdet?“). Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) endet eine Ansteckung mit dem Virus häufiger tödlich als die Grippe. Die genaue Sterberate werde man aber erst nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin. Todesfälle gab es bisher vor allem bei Patienten, die älter waren, an chronischen Erkrankungen litten beziehungsweise ein geschwächtes Immunsystem hatten. Wenn die Krankheit milde oder sogar ohne Symptome verläuft, können allerdings auch Krankheitsfälle übersehen werden und das Virus wird dann unbemerkt von Infizierten an weitere Menschen übertragen. Auch deshalb ist es derzeit wichtig, Abstand zu anderen Menschen zu halten und soziale Kontakte möglichst zu vermeiden. Das Virus verbreitet sich leicht, durch Tröpfcheninfektion, ist also sehr ansteckend.

Daher ist es so wichtig, verstärkt auf Hygiene zu achten (Hygieneregeln https://www.mkk.de/aktuelles/corona/CoroNetz.html ). Es gilt, sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, damit nicht zu viele schwer Erkrankte gleichzeitig das Gesundheitssystem überfordern.

Eine Corona-Infektion äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost kommen vor.

Das neue Virus Sars-CoV-2 stammt offenbar von einem Markt im chinesischen Wuhan, wo er vermutlich Anfang Dezember 2019 von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung von Covid-19 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts handelt es sich weltweit und in Deutschland um „eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“. Das Gesundheitsrisiko für die hiesige Bevölkerung stuft das RKI als „hoch“ ein.

Wer ist besonders gefährdet?

In den meisten Fällen verläuft die Infektion mit dem Coronavirus Sars CoV-2 mild, oft sogar ohne Symptome. Allerdings gibt es einige Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Das sind ältere Menschen, insbesondere Hochbetagte, Raucher und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen:

  • des Herzens (zum Beispiel koronare Herzerkrankung)
  • der Lunge (zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis)
  • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
  • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Patienten mit einer Krebserkrankung
  • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie zum Beispiel Cortison).

Um diese Menschen zu schützen, sollte jeder und jede derzeit Händeschütteln oder Küsschen zur Begrüßung unbedingt vermeiden und generell ein bis zwei Meter Abstand halten – so wie im Übrigen auch bei jeder Grippewelle. Kontakt zu Familienmitgliedern und Freunden kann man auch per Telefon oder Mail halten – oder ganz altmodisch mal wieder einen Brief schreiben.

Hinweise zur Prävention und zum Management von Erkrankungen in Alten- und Pflegeheimen:

Wird das Virus durch Lebensmittel und Gegenstände übertragen?

Noch sind die Erkenntnisse über die Übertragungswege des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 begrenzt. Einig sind sich die Wissenschaftler darin, dass die Viren durch Tröpfcheninfektion weitergegeben werden. Auch Schmierinfektionen sind möglich. Dabei gelangen Erreger, die an den Händen haften, an die Schleimhäute der Nase oder des Auges, wo sie zu einer Infektion führen können. Deshalb ist es so wichtig, sich nicht ins Gesicht zu fassen und die Hände regelmäßig gründlich zu waschen. Bis dato sind keine Fälle nachgewiesen, bei denen sich Menschen auf anderen Wegen mit dem Coronavirus angesteckt hätten – also etwa durch den Verzehr von Lebensmitteln oder den Kontakt zu Gegenständen, an denen das Virus haftet. Denkbar sind allerdings Schmierinfektionen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Corona kontaminiert wurden – etwa wenn eine infizierte Person direkt auf eine Türklinke geniest oder gehustet hat.

Wegen der „relativ geringen Umweltstabilität von Coronaviren“ ist es nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich, dass importierte Waren wie Lebensmittel, Spielwaren, Werkzeuge, Computer, Kleidung oder Schuhe Quelle einer Infektion sein könnten, teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit. Die Überlebensfähigkeit der Coronaviren in der Umwelt ist recht gering. Trotzdem raten Fachleute, die Hygieneregeln (Link Indexseite) einzuhalten. Da Viren hitzeempfindlich sind, verringert das Kochen oder Erhitzen von Lebensmitteln das Infektionsrisiko zusätzlich. Wissenschaftler vermuten, Fledermäuse als Ursprung des Virus. Unbekannt ist, ob Sars-CoV-2 direkt von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde oder ob eine weitere Tierart als Zwischenwirt eine Rolle spielt.

>> Fragen und Antworten des BfR

Können sich Haustiere mit Corona anstecken?

Wissenschaftler halten das für äußerst unwahrscheinlich. Es gebe bisher keinerlei Hinweise weltweit, dass Heimtiere bei der Entwicklung der Corona-Pandemie eine Rolle spielten, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Es sei kein einziger Fall bekannt geworden, dass sich ein Hund oder eine Katze nachweislich mit dem Erreger angesteckt hätten. Bei dieser Einschätzung bleibt der Virologe auch, nachdem Nachrichten kursierten, dass in Hongkong bei zwei Hunden von infizierten Menschen aus verschiedenen Haushalten genetisches Material des Sars-CoV-2-Erregers nachgewiesen worden sei. Unklar ist, ob tatsächlich eine Infektion vorlag oder ob es sich um Verunreinigungen durch die Virusmengen in der Umgebung handelt.

Das FLI teilt dazu mit, der Nachweis von Genmaterial belege noch keine Infektion der Hunde und ebensowenig, dass sich die Viren in ihnen vermehrt hätten oder gar ausgeschieden worden seien. Beide Hunde zeigten keine Krankheitssymptome.

Hund und Katze stellen auch kein Infektionsrisiko für den Menschen dar, das heißt, nach derzeitigem Wissensstand übertragen sie das Coronavirus nicht auf Menschen. Darin ist sich das FLI mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem European Centre for Disease Control einig. Wer gesund ist, kann normal mit seinem Haustier umgehen, sollte aber die üblichen >>Hygieneregeln beachten .

Weitere Hinweise zu Haustieren und Corona finden Sie auf der >>Website des Friedrich-Löffler-Instituts