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Beruwala
Aktualisiert am: 15.08.2011
Wichtiges in Kürze

Landrat a.D. Karl Eyerkaufers zehnte Hilfsreise nach Sri Lanka

Mit kleinen Schritten zum großen Glück

Beruwala, Sri Lanka (Herbst 2010). Kleines Jubiläum für Karl Eyerkaufer. Zum zehnten Mal seit der Jahrhundertflut an Weihnachten 2004 reiste der frühere Landrat des Main-Kinzig-Kreises nach Sri Lanka, um weitere dringende Hilfsprojekte voranzutreiben. Dass längst andere Naturkatastrophen die Schlagzeilen beherrschen, ist für Eyerkaufer und seine Mitstreiter nur ein zusätzlicher Ansporn, weiter in Sri Lanka zu helfen.

„Ich habe in den vergangenen Jahren gesehen, dass die wirkliche Aufbauarbeit erst beginnt, wenn die meisten Organisationen abziehen“, beschreibt der Landrat a.D. das große Problem der internationalen Krisenhilfe. Umso dankbarer ist Eyerkaufer, dass die Unterstützung der Menschen im Main-Kinzig-Kreis für Sri Lanka nicht endet. „Die Bürgerinnen und Bürger haben die Bedeutung von nachhaltiger Hilfe verstanden“, freut er sich. Ganz in diesem Sinne legen Karl Eyerkaufer und sein lokales Team um Organisationstalent Irsan Mohammed großen Wert auf den Erhalt der aus Spendenmitteln geschaffenen Schulen, Kliniken, Kindergärten und Wohnhäuser.

Es hatte Symbolcharakter, dass seine zehnte Hilfsreise Karl Eyerkaufer zurück an die Schule führte, die er nach dem Tsunami als erste besuchte und versorgte. Die Beruwala Primary School liegt nur 50 Meter vom Strand entfernt. „Damals stand ich geschockt inmitten völliger Zerstörung. Es ging ums nackte Überleben“, erinnert sich der Landrat a.D.. „Jetzt eröffneten wir einen neuen Klassentrakt mit zwei Räumen, damit die Kinder vernünftig unterrichtet werden können.“

Was sich nicht geändert hat, sind die Herzlichkeit, die Dankbarkeit und die Begeisterung, mit der die krisengeplagten Inselbewohner solche Anlässe feiern: Tanz und Gesang, das Hissen der Nationalflaggen, die Teilnahme politischer Vertreter und der Schulbehörde, vor allem aber die leuchtenden Augen der Kinder… „Ich sollte mich eigentlich daran gewöhnt haben, aber ich kriege jedes Mal wieder eine Gänsehaut, wenn ich sehe, wie viel Glück wir hier mit relativ wenig Geld stiften können“, erzählt Karl Eyerkaufer.

Der einfach gehaltene Schulneubau entstand mit Hilfe der Stiftsschule St. Johann im mittelhessischen Amöneburg, wo die Schülerinnen und Schüler das Geld mit einer Fahrradrallye buchstäblich einfuhren. Einen wesentlichen Anteil leistete zudem die Maintaler Familie Brunhilde und Karl Lutz. Sie verzichteten zugunsten einer Spende auf Geschenke zu ihrer goldenen Hochzeit.

Rund ein Jahr ist es her, dass Irsan Mohammed seinen Freund aus Deutschland zu einer versteckten Siedlung aus Plastikplanen und Wellblechverschlägen führte. Rund 50 Familien hausten in völliger Armut, dem wochenlangen Monsunregen schutzlos ausgesetzt. Sofort initiierten Eyerkaufer und Irsan ein Hausbauprogramm. Für umgerechnet 500 Euro werden die Baumaterialien für ein Holzhaus vor Ort eingekauft, das dann in Eigenhilfe mit Unterstützung eines Schreiners von den Familien erstellt wird. Toiletten sorgen für hygienische Zustände, Wassertanks für sauberes Trinkwasser.

„Wir schaffen keinerlei Komfort oder gar Luxus, sondern sorgen für einfache, menschenwürdige Standards, gemessen an örtlichen Maßstäben. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Prinzip“, betont Eyerkaufer.

Übergab der ehemalige Landrat im März dieses Jahres schon 14 dieser einfachen Häuser an ihre stolzen Bewohner, waren es jetzt 26. Ein Erfolg, der nur möglich war, weil zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen im Main-Kinzig-Kreis nach Eyerkaufers Vorträgen jeweils 500 Euro für ein Haus spendeten. Allein die Lions Clubs aus dem Main-Kinzig-Kreis und dem Wetteraukreis spendeten auf Initiative des Zonenvorsitzenden und früheren Forstdirektors Hugo Sang zwölf Häuser. Die Sängervereinigung Neuses verzichtete bei zwei Konzerten auf ihre Eintrittseinnahmen und finanzierte so fünf Häuser für notleidende Familien.

Für fünf weitere Häuser legte Eyerkaufer auf seiner jetzigen Reise den Grundstein. Doch die Warteliste, die Äbte der buddhistischen Klöster und katholische Geistliche gemeinsam führen, ist noch lang.

Dauerhaft helfen. Dazu gehören inzwischen auch die ersten Reparaturen und Instandhaltungen. Trotz des äußerst gepflegten Zustands der 29 wieder aufgebauten und neu errichteten Schulen, der sieben Kindergärten mit ihren Spielplätzen, der Frauen- und der Zahnklinik, der 35 Fischerboote und der Wohnhäuser nagen das tropische Klima und die Regenzeiten an der Substanz. Hier sind neue Türen, dort ein paar Dachziegel zu ersetzen. Die Kliniken benötigen Instrumente, die Schulen neues Lehrmaterial. „Nach unseren Maßstäben kostet nichts davon viel Geld. Für die Einrichtungen vor Ort sind diese Dinge indes nicht erschwinglich“, berichtet Eyerkaufer.

Und so gibt es noch jede Menge zu tun für den früheren Landrat und seine kleine Mannschaft. Und es gibt allen Grund für die Menschen im Main-Kinzig-Kreis, den gebeutelten Inselstaat im indischen Ozean und seine tapferen Bewohner im Blick zu behalten.

Das nächste Projekt ist bereits geplant: Nach dem großen Erfolg der mit Mitteln aus dem Main-Kinzig-Kreis modernisierten Zahnklinik in Beruwala wollen die „Zahnärzte ohne Grenzen“ in Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden-Chefin Dr. U.K.D Piyaseeli jetzt mobile Zahnarztpraxen aufbauen, mit denen auch Menschen im Hinterland versorgt werden können.

Abschied für dieses Jahr. Erst im nächsten Frühjahr wird Karl Eyerkaufer wieder nach Sri Lanka kommen. Auf dem Weg zum Flughafen biegt Irsan Mohammed in Katakuranda ab. „Mama an Papa“ heißt das Heim für geistig behinderte Menschen. Der Landrat a.D. ist nicht zum ersten Mal hier. 120 Kilo Reis, Zucker, Nudeln, Zwiebeln und Hygieneartikel übergibt Eyerkaufer auf seiner letzten Station. Und der frühere Spitzenläufer weiß in diesem Moment: Das Ziel ist noch lange nicht erreicht.