



Landrat a.D. Karl Eyerkaufer nach seiner achten Hilfsreise in Sri Lanka |
Tsunami, Bürgerkrieg, Wirtschaftskrise: Main-Kinzig-Bürger werden weiter gebrauchtBeruwala, Sri Lanka (2009). Im fünften Jahr nach der größten Flutkatastrophe der Neuzeit ist Sri Lanka ein von Krisen geschütteltes Land geblieben. „Die Situation ist vielerorts sehr kritisch. Es gibt keinen Grund, mit unseren Bemühungen nachzulassen“, fasst Landrat a.D. Karl Eyerkaufer nach seiner achten Hilfsreise in den Inselstaat im indischen Ozean zusammen. Die meisten Hilfsorganisationen haben ihren Einsatz längst beendet. Eyerkaufer ist geblieben – und mit ihm die Hilfsbereitschaft der vielen Bürgerinnen und Bürger, Schulen, Vereine, Gemeinden und Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis. „Mangelnde Nachhaltigkeit von Krisenhilfe ist generell ein Problem. In Sri Lanka ist langer Atem noch wichtiger als andernorts“, berichtet Eyerkaufer. Das kleine Land sei mehrfach belastet. Die Langzeitfolgen des Tsunami seien nicht behoben. Hinzu kommen die Folgen des jahrelangen Bürgerkrieges mit seinen rund 70.000 Todesopfern. Er hat den Tourismus praktisch zum Erliegen gebracht. „Die meisten Hotels sind geschlossen, viele Menschen ohne Einkommen. An den Stränden herrscht eine gespenstische Atmosphäre“, schildert der Landrat a.D. seine Eindrücke. Und als wäre das nicht genug, hat die Wirtschaftskrise das arme Land besondert hart getroffen. Die Rohstoffpreise sind kollabiert, die verfallende Währung verteuert lebensnotwendige Importe. Und die im Ausland arbeitenden Sri Lanker können immer weniger Geld in die Heimat schicken, um ihre Familien über Wasser zu halten. „Nach der Naturkatastrophe kommt nun der wirtschaftliche Tsunami“, fasst Karl Eyerkaufer die Situation zusammen. Umso spürbarer die Hilfe aus dem Main-Kinzig-Kreis. Direkt nach seiner Ankunft eilte Karl Eyerkaufer nach Maggona, einem besonders armen Stadtteil Beruwalas. Von dort hatte ihn der Hilferuf zweier Waisenhäuser erreicht, die nicht einmal mehr Geld zum Kauf von Nahrung hatten. Die Lebensmittel, die der langjährige Main-Kinzig-Landrat überbrachte, überbrücken einige Wochen. 230 Kinder müssen nicht mehr hungrig ins Bett gehen. Einige Kilometer weiter, in Kamkanamgoda, herrschen nun auch wieder menschenwürdige Zustände. 13 Großfamilien mit 150 Personen – allesamt vergessene Flutopfer – hausten hier seit dem Tsunami in erbärmlichen Baracken. Das ist nun dank der Hilfe aus dem Main-Kinzig-Kreis überstanden: Abgedichtete Dächer, ein Abwasserkanal, landestypische, einfache Toiletten und ein Wassertank für jedes Haus sorgen zwar nicht für Komfort, aber für hygienisch einwandfreie Zustände. Wie der Dorfälteste und der Bürgermeister berichteten, habe die Zahl der Infektionskrankheiten bereits deutlich abgenommen. Eine typische Aktion für die Hilfe aus dem Main-Kinzig-Kreis: einfach, schnell, schnörkellos… und gerade deshalb so wirksam. Die Versorgungsunternehmen des Main-Kinzig-Kreises hatten diese Hilfe auf Initiative von Landrat Erich Pipa und seines Stellvertreters Günter Frenz ermöglicht. Wo immer es möglich ist, versuchen Karl Eyerkaufer und sein lokales Organisationsteam die Hilfe mit der Förderung des örtlichen Handwerks zu verbinden. „Das schafft Arbeit, Einkommen und damit Unabhängigkeit von fremder Hilfe“, unterstreicht Eyerkaufer. Und so entstehen weitere solide Holzhäuser nun aus der Produktion des bis dahin arbeitslosen Schreiners Naseer. Die notwendigen kleinen Maschinen hat Eyerkaufer bereits in Colombo gekauft. Die Kosten für das Material betragen 400 Euro pro Haus. „Ich hoffe nun Menschen zu finden, die eine Hauspatenschaft übernehmen und somit gleichermaßen für Arbeit und Dächer über den Köpfen sorgen“, bittet der Landrat um diese gezielte Unterstützung. Wie bei jeder seiner Hilfsreisen überzeugte sich Eyerkaufer vom Zustand der inzwischen 29 Schulen und sechs Kindergärten, der Frauen- und Geburtshilfeklinik, der Zahnklinik, der Bibliothek und der vielen weiteren Projekte, die aus Spenden der Main-Kinzig-Bürger inzwischen entstanden sind. „Alle Einrichtungen werden liebevoll gepflegt und sorgfältig genutzt“, kann der Landrat a.D. den zahlreichen Spendern nach seiner Reise berichten. „Die Herzlichkeit der Menschen, die Dankbarkeit der Kinder, die Zuversicht selbst in größter Not… das ergreift einen bei jedem Besuch immer wieder neu“, findet Eyerkaufer, der neben der Koordinationsarbeit wieder ein umfassendes Ehren- und Begrüßungsprogramm zu absolvieren hatte. Zum Abschied trugen Bürgermeister und Parlamentsmitglieder noch die Notwendigkeit einer weiteren Klinik vor. Das Grundstück ist vorhanden. Die Hilfe geht weiter… |

