



Karl Eyerkaufer kehrt von einer weiteren erfolgreichen Hilfsreise zurück |
Die vergessenen Waisen von PayagalaErweiterte Zahnklinik schreibt Schlagzeilen / Neue Kindergärten eingeweiht Beruwala, Sri Lanka (Dezember 2007). Der Schlafsaal ist stockfinster. Die Besucher erkennen eng aneinender gereihte Gitterbetten. Sonst gibt es keine Möbel. Auf dem Boden nur nackter Beton, die Wände sind halbhoch gefliest. Gefängnisatmosphäre. Karl und Marion Eyerkaufer und ihre Begleiter schauen sich an. Ohne ein Wort ist klar: Hier liegt der Schwerpunkt der kommenden Wochen. Sri Lanka im Dezember 2007, fast drei Jahre nach der Jahrhundertflut. Heerscharen von Helfern sind gekommen und wieder gegangen. Viele Millionen Euro und Dollar sind in den Wiederaufbau geflossen. Dass längst nicht alles bei den Menschen angekommen ist, davon zeugen die Ruinen halbfertiger Bauten. Jetzt dran bleiben, den Vergessenen helfen: Diese Kunst gelingt nur, wenn man vor Ort ein kleines, engagiertes Team von persönlichen Freunden hat. Die jahrzehntelangen Beziehungen des Landrats a.D. nach Sri Lanka sind der Grund dafür, dass die Hilfe aus dem Main-Kinzig-Kreis heute als besonders effektiv und nachhaltig gilt. „Wir haben keinen Cent an Organisationen oder an Hilfeempfänger überwiesen, sondern alle Arbeiten selbst durchgeführt“, berichtet Eyerkaufer. Zweimal pro Jahr fliegt der frühere Landrat in den Tropenstaat, um Erfolge zu kontrollieren und neue Projekte anzustoßen. Gerade kehrte er von einer dieser Reisen zurück – mit guten Nachrichten und wichtigen Vorhaben. Es sind nicht Hitze, Staub und lange Arbeitstage, die Hilfsreisen nach Sri Lanka anstrengend machen. Es sind die brutalen Wechselbäder zwischen Freude und Verzweiflung. Man verlässt ein lebensfrohes Einweihungsfest und steht keine Stunde später in diesem deprimierenden Verließ. Payagala, Beruwalas am schlimmsten verwüsteter Stadtteil. Und vor allem: Der Stadtteil ohne Touristen und Durchgangstraßen. Die Flutwelle rollte darüber, die Hilfswelle rollte vorbei. Eyerkaufer und sein Team haben hier schon viel unternommen, doch längst nicht genug, wie sich an diesem Tag zeigt. 50 behinderte und 100 nicht behinderte Kinder leben in dem Waisenhaus. Nur drei Betreuerinnen kümmern sich um sie. Mehr ist nicht drin, obwohl die teils mehrfach geistig und körperlich behinderten Kinder viel Zuwendung bräuchten. „Für Nahrung habe ich habe drei Dollar pro Kind und Monat“, berichtet Reverend Julian Tissera. Der katholische Geistliche leitet das Heim ohne staatliche Unterstützung. „Mama & Papa“ heißt das Haus. Der Name soll Geborgenheit ausstrahlen für die Kinder, die zu einem großen Teil bei der Flut ihre Eltern verloren haben. In westlichen Ohren klingt der Name eher zynisch. Irsan Mohamed, Eyerkaufers Teamchef auf Sri Lanka, hat für 500 Euro Lebensmittel organisiert, gespendet von der Maintaler Familie Haberle. Das hilft in ärgster Not. Doch zugleich ist allen klar, dass hier mehr passieren muss. „Wir werden das Haus sanieren und ausbauen. Die Zimmerbelegung muss von 20 auf fünf Kinder herunter. Wir brauchen Farbe, Licht, vernünftige Möbel. Mehr Personal muss her, um eine halbwegs angemessene Betreuung der schwerstbehinderten Kinder zu sichern“, fasst Karl Eyerkaufer knapp zusammen. Durch seine langjährige Arbeit für das Behindertenwerk Main-Kinzig und seinen Vorsitz im Rat der Stiftung Menschen mit Behinderung im Main-Kinzig-Kreis kennt er die Anforderungen. Diese Kontraste zwischen Freude und Elend… Die Eyerkaufers versprechen, dass es hier in Payagala bald Grund zum Feiern gibt. So wie in Karandagoda und Ambalangoda. Unweit von Beruwala, dem Zentrum der Aktivitäten, nehmen der Landrat a.D. und seine Begleiter die Kindergärten Nummer fünf und sechs in Betrieb. Das kunterbunte Treiben und die glücklichen Kindergesichter sind noch immer der schönste Lohn. Das erleben diesmal auch Karl und Brunhilde Lutz aus Maintal und Edith Nürnberger aus Gießen, die gemeinsam mit den Maintaler Kindertagesstätten und der Stiftung Kinderzukunft (Rudolf-Walther-Stiftung) den Kindergarten in Karandagoda ermöglichten. In Ambalangoda trägt das neue, farbenfrohe Haus den Namen „Otzberg-Kindergarten“ – eine Reverenz an die Spender, die Mitglieder der Kirchengemeinde aus dem Odenwald. Die aus Sri Lanka stammende Mirana Rumstedt (Otzberg) und Gisela Lammers (Groß-Umstadt) überzeugen sich vom Gelingen des Projekts. Für die Odenwälder, die sich im vergangenen Jahr der Hilfe aus dem Main-Kinzig-Kreis angeschlossen hatten, ist es bereits der zweite Kindergarten für kleine Tsunami-Opfer. Welch erfreulich weite Kreise die Gemeinschaftsleistung der Main-Kinzig-Bürger inzwischen zieht, wird an einem der größten Projekte deutlich: Dem Ausbau und der Erweiterung der Zahnklinik in Beruwala. Vor über einem Jahr hatte Eyerkaufer die heillos überlastete und katastrophal ausgestattete Klinik entdeckt. Auf zwei mit Pedalkraft betriebenen Zahnarztstühlen wurden 9.000 Patienten versorgt. Nachdem Eyerkaufers Mannschaft bis zum Frühjahr die Räume saniert und die Ausstattung um das dringend Notwendige ergänzt hatte, ist nun eine angemessene und dauerhafte Versorgung gesichert. Dr. Claus Macher (Nürnberg), der Präsident von Zahnärzte ohne Grenzen und sein Kollege Dr. Wolfgang Credner (Berlin) weihen persönlich einen neuen Gebäudeteil und weitere Behandlungsmöglichkeiten ein. Für Karl Eyerkaufer ein Höhepunkt seiner Reise. „Die Zahnärzte ohne Grenzen sind hier nicht nur großzügiger Sponsor, sondern werden die Klinik jetzt dauerhaft mit Fortbildungen unterstützen. Das entspricht genau der von uns angestrebten Nachhaltigkeit“, freut sich der Initiator. Dass zum Festakt halb Beruwala auf den Beinen und prominenter Besuch aus dem zuständigen Ministerium in Colombo anreist, überrascht die erfahrenen Eyerkaufers nicht mehr. Umso mehr die deutschen Zahnärzte, die - mit Blumenkränzen geschmückt - hunderte dankbarer Hände zu schütteln müssen. Die obligatorische Rundreise zu den Projekten der vergangenen Jahre und zu den laufenden Arbeiten sorgt für Zufriedenheit. An der katholischen Grundschule läuft gerade die Sanierung des dritten Hauses. Ein vierter Abschnitt ist in Planung. Die Partnerschaft der Stiftsschule im mittelhessischen Amöneburg und die Stiftung Kinderzukunft machen es möglich. Das stolze Main-Kinzig-Haus an der Mädchenschule in Chinafort erfreut sich ebenso reger Nutzung wie die Kindergärten aus Spendenmitteln des Main-Kinzig-Kreises, die Bibliothek und die Schwangeren- und Kinderklinik, der Laden in Payagala oder das Wohnhaus für ehemals obdachlose Fischerfamilien. |

