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Aktualisiert am: 05.04.2007
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Landrat Pipa überreicht Ehrenamtspreis: Vorbildliche Beispiele

Ehrenamtliches soziales Engagement ist unverzichtbar für viele Bereiche des Gemeinwesens. Daher vergibt der Main-Kinzig-Kreis seit einigen Jahren eine Auszeichnung für herausragende Leistungen insbesondere im sozialen Aufgabenfeld. „Die meisten Einrichtungen, die unsere Gesellschaft stützen, wären ohne Menschen, die sich freiwillig engagieren, bald verschwunden“, sagte Landrat Erich Pipa bei der Verleihung der Auszeichnung 2006. Musik mit dem Gesangsduo „Nachtlicht“, Häppchen und Sekt umrahmten die Feier im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums, zu der auch zahlreiche politische Würdenträger erschienen waren, unter ihnen der Landtagsabgeordnete Hugo Klein.

Mit der Auszeichnung drückt der Main-Kinzig-Kreis seine Dankbarkeit und besondere Wertschätzung aus. „Darüber hinaus möchten wir erreichen, dass gute Beispiele ansteckend wirken auf die ganze Bürgerschaft“, erklärte Pipa. Gerade im sozialen Bereich gibt es zahlreiche Herausforderungen, die im Sinne der Menschlichkeit zu bewältigen sind. Diese Aufgaben sind angesichts knapper Kassen nur mit Hilfe der Ehrenamtlichen zu schultern.

In diesem Jahr hat der Sozialausschuss entschieden, den mit jeweils 1.500 Euro dotierten Preis an Ursula Pohl (Maintal-Hochstadt), Tina Nejedlo (Bruchköbel) und die „Spielplatzpaten Im Goldberg“ (Gelhausen-Roth) zu verleihen. Im Rahmen der Ehrung im Main-Kinzig-Forum stellte Landrat Erich Pipa die Verdienste der drei Preisträger ausführlich vor:

 
(von links): Erich Pipa, Ursula Pohl und Maintals Stadtverordnetenvorsteher Wolf-Rüdiger Fritz
   

Ursula Pohl arbeitete bereits während ihrer gymnasialen Schulausbildung in den Ferien und an Sonn- und Feiertagen ehrenamtlich in Krankenhäusern. Mit 16 Jahren legte sie die Prüfung zur ehrenamtlichen Schwesternhelferin des Deutschen Roten Kreuzes ab und leistete viele Dienststunden. Nach Bestehen der Mittleren Reife im Jahr 1961 schloss sich der Besuch der Frauenfachschule an. Auf jedes Schuljahr folgte ein halbes Jahr Praktikum unter anderem im Heim für schwer erziehbare Jungen oder im städtischen Kinderheim in Stuttgart.

Im Jahr 1970 zog die junge Familie nach Hochstadt. Wie Pipa berichtete, integrierte sich die junge Frau schnell in das Maintaler Vereinsleben. Sie wurde nicht nur Mitglied im Schützenverein „Tell“ Hochstadt, sondern leitete auch 14 Jahre lang die Damenmannschaft im Luftgewehr und KK-Gewehr. Auch im Vergnügungsausschuss war sie einige Jahre tätig.

 

1978 legten sich dunkle Schatten über die Familie. Doch Ursula Pohl ließ sich von persönlichen Schicksalsschlägen, schwerer Krankheit und Trennung nicht entmutigen. Sie wurde in den Seniorenbeirat berufen und übernahm 1991 die Leitung der „Fröhlichen Senioren“ Maintal. 1995 nahm sie für die Stadt Maintal an einer Mitgliederversammlung der Landesseniorenvertretung Hessen teil und wurde prompt als Beisitzerin in den Vorstand gewählt – und war damals das jüngste Vorstandsmitglied. Auch heute noch gehört sie dem Gremium an und ist in viele Projekte eingebunden. Gemeinschaftliches Wohnen, neue Wohnformen, Hospizarbeit, die Festsetzung der Rahmenlehrpläne für die Ausbildung von Altenpflegerinnen, Altenpflegern und Altenpflegerhelfern und vieles mehr sind Aufgaben, die sie mit Freude bewältigt.

Aber auch in der Seniorenarbeit der Stadt Maintal ist Ursula Pohl sehr rührig. So arbeitet sie seit 1995 im Redaktionsteam der Seniorenzeitung mit. Seit 1996 steht sie für alle Fragen rund um die Sicherheit für Senioren als Sicherheitsberaterin der Polizei zur Verfügung.

Als Fraktionsmitglied der SPD ist Frau Pohl seit 2001 Stadtverordnete der Stadt Maintal und auch hier im Sozialausschuss tätig. Zu ihrem Aufgabenbereich gehören Themen wie „Kinderfreundliche Stadt Maintal“, „Frauenbeirat“ und „Lokale Agenda für Senioren und Menschen mit Behinderung“.

„Ihre Liebe zur Stadt Hochstadt und deren Geschichte ließen Ursula Pohl 1988 Mitglied im Verein Heimat-Museum-Maintal werden“, schildert Pipa eine weitere Station im Leben der rührigen Frau. Seit 1998 steht sie diesem Verein als 1. Vorsitzende vor. Gerne führt sie Besucher aus nah und fern durch „ihr“ wunderschönes und geschichtsträchtiges Hochstadt.

Ursula Pohl dankte dem Main-Kinzig-Kreis für die Auszeichnung. „Mein Vater sagte immer: Es gibt nur ein Wir und nicht ein Ich. So bin ich erzogen und so will ich es weitergeben“, sagte die Hochstädterin.

Seit 1978 lebt Tina Nejedlo im Bruchköbeler Stadtteil Oberissigheim. Kurz nach dem Umzug erkrankte sie im Alter von 35 Jahren an Krebs und schloss sich im Mai 1979 der kurz zuvor in Hanau gegründeten Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs an. Im Sommer wurde sie in das Gruppenleitungsteam gewählt und ist seit dieser Zeit hier ehrenamtlich tätig.

„Ein gut gefüllter Terminkalender hält die dynamische Frau seitdem in Atem“, berichtete Pipa. Tagungen, Sitzungen, Besuche von Krebspatienten in den Krankenhäusern und Treffen der Selbsthilfegruppe in Hanau fordern eine geplante Zeiteinteilung. Ein Engagement, das ohne die Unterstützung ihres Mannes nicht möglich gewesen wäre. Er hält ihr weit möglichst den Rücken frei und packt im Haushalt mit an.

Wie der Landrat weiter ausführte, ist Tina Nejedlo eine überaus engagierte Kassiererin, sowohl in der Gruppe Hanau als auch im Landesverband Hessen. Diese Tätigkeit wird von ihr seit 1980 bis zum heutigen Tag

   
(von links): Erich Pipa, Tina Nejedlo und Bruchköbels Erster Stadtrat Uwe Ringel.

ausgeführt. In dieser Funktion unterstützt sie besonders die Gruppen der Frauenselbsthilfe nach Krebs im Main-Kinzig-Kreis. Dies sind außer Hanau noch Maintal, Freigericht, Gelnhausen und Schlüchtern.

In der Gruppe Hanau, die jahrlang keine Stellvertreterin hatte, hat sie ganz selbstverständlich dieses Amt mitbetreut. Vor allem hat sie die Krankenbesuche in der Klinik oder zu Hause übernommen. Schon seit mehr als 25 Jahre setzt sich Tina Nejedlo ehrenamtlich mit einem enormen Zeitaufwand und großem persönlichen Einsatz für die Frauenselbsthilfe nach Krebs in der Gruppe Hanau und im Vorstand des Landesverbandes Hessen ohne jegliche Aufwandsentschädigung ein.

Für ihre selbstlosen Tätigkeiten und ihr unermüdliches Engagement wurde die Oberissigheimerin bereits mehrfach ausgezeichnet.

1999 erhielt sie den „Landesehrenbrief“
2001 folgte die „silberne Ehrennadel der Parität Hessen“
2003 Verleihung der „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“

Bei all diesen Ehrungen hat Tina Nejedlo nicht das Wesentliche aus den Augen verloren. „Ihr geht es darum für Krebspatienten da zu sein, ihnen Mut zu machen und sie wieder auf den Weg ins Leben zu führen“, betonte Pipa. So beendet die engagierte Frau ihre Gespräche häufig mit einem Satz, der wohl mehr aussagt, als alle Beschreibungen ihrer Tätigkeit: „Hoffentlich brauchen Sie meine Hilfe nie, aber wenn, dann wissen sie ja wo ich bin.“

Sie sehe in der Ehrung durch den Main-Kinzig-Kreis eine Ehre und den Ansporn, sich weiterhin für die Frauenselbsthilfe nach Krebs einzusetzen, sagte Tina Nejedlo. Das Preisgeld will sie als Spende an die Gruppe Hanau weitergeben.

 
(von links): Der Leiter der Ehrenamtsagentur, Walter Dreßbach, Ilse und Jürgen Reuel, Renate und Karl-Heinz Bauchmüller, Jürgen Emmerich, Erika und Heinz Noack.
   

Die Familien Reuel, Bauchmüller, Noack und Emmerich aus Gelnhausen-Roth betreuen als Anwohner und Paten des Kinderspielplatzes „Im Goldberg“ diesen seit rund 17 Jahren ehrenamtlich und unentgeltlich. So sind die Familien unter anderem auch für das tägliche auf- und zuschließen und die Sauberkeit des Spielplatzes verantwortlich. „Dort packt jeder freiwillig an, wenn es gilt das Gelände zu pflegen oder die Spielgerätschaften zu warten“, beschrieb Landrat Erich Pipa das Engagement der Familien.

Der Spielplatz hat eine sehr schöne Kletterlandschaft, er trennt den

Bereich der Kleinkinder gut von dem restlichen Bereich ab, so dass den Eltern ein sorgenloser Aufenthalt beschert wird. Die idyllische Lage, die zahlreichen schattenspendenden Bäume sowie der äußerst gepflegte und saubere Zustand, zeichnen diesen Spielplatz aus.

„So sieht man der annähernd 20 Jahre alten Ausstattung aufgrund der hervorragenden Pflege durch die Spielplatzpaten das Alter nicht an“, erläutert Pipa. Unzählige Arbeitseinsätze investierten die Paten in den vergangenen Jahren: Spielgeräte wurden immer wieder neu gestrichen, das Gelände neu angepflanzt oder kleinere Reparaturen selbst ausgeführt. Fast keine Woche vergeht dort, ohne dass die Familien Hand angelegt haben.

Im Jahre 2004 wurde der Spielplatz in einem Test einer Tageszeitung als einer der besten Spielplätze des Kreises gekürt.

Bei der Pflege der Anlage mit seinen Geräten werden auch die Kinder miteinbezogen. Der indirekte erzieherische Effekt ist von großer Bedeutung. Kinder lernen spielerisch und vor allem mit Freude Allgemeingut zu schätzen. Durch die gemeinsame Aufgabe und den dadurch engen Kontakt zueinander sind Freundschaften entstanden. Bezeichnend ist für Landrat Pipa, dass ortsfremde Familien – sogar bis aus dem benachbarten Büdingen – diesen exzellenten Spielplatz aufsuchen. Das Preisgeld wollen die Familien in den Spielplatz stecken.

Mit allen Geehrten (von links): Walter Dreßbach, Ilse und Jürgen Reuel, Renate und Karl-Heinz Bauchmüller, Jürgen Emmerich, Erika Noack, der Gelnhäuser Stadtrat Michael Frischkorn, Heinz Noack, Tina Nejedlo, Erich Pipa und Ursula Pohl.